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*Triggergefahr!*

Spiegelwelten, zerbrochen, Verzerrungen


Wer bin ich?


Ich finde mich wieder in einem Raum voller Spiegel. Mein Abbild guckt mich in vielfacher Ausführung von allen Seiten an. Jeder Spiegel hat einen Fehler. Manche haben Risse und ich sehe an mir herunter, um sicher zu gehen, ob ich noch ganz bin. Bei einem fehlt ein Stück und automatisch taste ich mit der Hand nach meinem Gesicht, ob dort auch ein Loch ist und bin erleichtert, dass sich alles normal anfühlt. Ich fühle mich wie in einem Gefängnis, dessen Wände nicht aus Mauern, sondern aus Spiegeln bestehen. Ich frage mich, wie ich hier jemals wieder heraus kommen soll und während ich mich suchend umschaue, fällt mir auf, dass es gar kein geschlossener Raum ist und sich an einer Stelle eine Öffnung befindet. Diese führt in einen Gang, der ebenfalls nur aus Spiegeln besteht, daher habe ich ihn auch erst gar nicht wahrgenommen. Ich versuche nun den Weg durch die Spiegelwelt zu finden. Alles sieht gleich aus. Überall sind Spiegel und noch mehr Spiegel mit den Spiegelbildern aus den Spiegeln. Und doch macht jeder Spiegel etwas anderes mit mir. Sie verzerren mein Abbild auf absurde und beängstigende Weise. In dem einen bin ich dick, in dem nächsten dünn. Mit den Händen taste ich mich nun an der Wand entlang um nicht direkt in einen der Spiegel zu rennen. Sie verzerren mich und meine Spiegelbilder dermaßen, dass ich gar nicht mehr erkennen kann, wo sie anfangen oder enden. Ich versuche nicht hinzusehen, aber es geht nicht, denn sie sind einfach überall. Ich weiß längst nicht mehr wo ich hergekommen war. Denn ich bist überall. Gerade war mein Spiegelbild zersplittert, dann nur ein dunkler Schatten, und jetzt ist es nur noch eine fette Kugel, die die Farbe meines Pullovers hat. Aber das Schlimmste ist, dass sie gar nicht immer mich abbilden. Also schon mich, aber nicht so, wie ich heute bin. In manchen Spiegeln sehe ich mich als Kind, wie ich voller Angst im Bett liege. Wie ich durch die Straßen irre, weil ich es im Zimmer nicht mehr aushalte. Wie ich heulend und verzweifelt in der Ecke liege. Wie ich versuche mich umzubringen. Wie ich als Jugendliche von meinen Mitschülern verspottet und ausgelacht werde. Wie ich mich in den Pausen auf der Toilette verstecke und in die Arme ritze. Wie mein Vater mich anschreit. Wie ich versuche so zu tun, als ob ich schlafe, während er trotzdem langsam auf mein bett zugeht. Ich werde schneller, will, dass es aufhört. Ich versuche den Ausgang zu finden, aber es geht immer weiter. An jeder Ecke hoffe ich auf etwas anderes als Spiegel. Und jedes mal, wenn ich dann um die Ecke blicke und mein Gesicht in verschiedenen Varianten zurück sieht, denke ich nur noch „Oh nein, bitte!“ Ich fange an zu rennen und um mich herum renenn alle mit. Der Gang geht um viele Ecken. Es gibt manchmal Gabelungen, wie in einem Labyrinth. Wie soll ich nur hier heraus finden? Entstellt. Vollkommen entstellt, denke ich bei meinem nächsten Spiegelbild. Ich versuche die aufkommende Panik in mir zu unterdrücken. Aber es will mir nicht gelingen. Bald renn ich in meiner Verzweiflung frontal gegen einen Spiegel, der etwas höher angesetzt ist und es daher so aussieht als wäre noch ein Meter Platz. Ich falle hin. Nicht liegen bleiben, bloß nicht aufgeben, denke ich und kämpfe mich wieder hoch. Ich atme tief durch und taste mich weiter. Die Angst lässt mich bald wieder schneller werden. Ich habe nicht mehr die Geduld mich mit den Händen die Wand entlang zu tasten und ich versuche es erneut ohne ständigem Wandkontakt weiter zu laufen. Ich will nur noch raus hier, es soll aufhören. In meinem Innern schreie ich verzweifelt und die Spiegel um mich herum geben es wieder. Es macht mir Angst und schon renne ich wieder. Ich habe die scharfe Kurve zu spät gesehen und knalle erneut in einen Spiegel. Jetzt kann ich meine Tränen, gegen die ich angekämpft habe, nicht mehr zurück halten. Sie brechen aus mir heraus und ich kann nichts dagegen tun. Sie verschleiern meine Sicht und alles beginnt zu verschwimmen. Wütend wische ich sie mir aus den Augen, was kaum einen Sinn macht, da zu viele nachkommen. Ich kämpfe mich wieder hoch und laufe weiter. Auch wenn meine Hoffnung immer weiter schwindet und ich mich frage, ob es nicht einfacher wäre liegen zu bleiben, denn die Spiegelwelt scheint endlos zu sein. Ich überlege, wie ich im Original nochmal ausgesehen hatte und es tauchen nur noch zerbrochene oder verzerrte Ausführungen meiner selbst auf. Ich habe keine Ahnung mehr. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wie ich noch vor kurzem ausgesehen hatte. Zu viel nachgedacht und behindert durch den Tränenschleier knalle ich mit voller Wucht gegen einen riesigen Spiegel. Ich will nicht mehr. Nicht nochmal. Ich habe keine Kraft mehr. Meine Beine tun mir weh, ich bin völlig außer Atem. Ich setze mich nur noch auf. Die Verzweiflung fängt an sich in Wut zu verwandeln. Was soll das alles? Wo ist der Ausgang, verdammt, ich will doch nur noch hier raus, warum hilft mir denn keiner? Ein Schrei bildet sich in meinem Innern. Dann bahnt er sich einen Weg hinaus. Ich sitze dort und schreie aus voller Kehle um meinem inneren Druck ein Ventil zu schaffen. Es ist ein hoher, panischer, verzweifelter Schrei und plötzlich bersten zwei Spiegel in meiner Nähe. Ich bin wie gelähmt vor Schreck und höre das Klirren. Scherben fliegen um mich herum. Ein Schmerz am Unterarm und ich sehe das Blut. „Na toll, auch das noch!“ und ganz plötzlich muss ich anfangen zu lachen. Hinter den zerbrochenen Spiegeln ist nur eine dicke, schwarze Mauer zu erkennen. Ich muss einfach nur noch lachen bei der Absurdität der ganzen Situation. Ich sehe das Blut, das aus einer kleinen Wunde in meinem Arm hervorkommt und zwischen die Scherben tropft. Es tut schon gar nicht mehr weh und ich beaobachte einfach nur mein Blut, wie es gleichmäßig auf den Boden tropft. Mit einem mal werde ich ganz ruhig. Es tut gut das Rot zu sehen. Zu sehen, dass doch noch Leben in meinem Körper ist. Und wie es sich langsam einen Weg hinaus bahnt. Hinaus aus meinem Körper. Hinaus aus der Situation. Durch die Scherben fließt es einfach hindurch. Aber es geht mir zu langsam. Es soll schneller gehen. Schneller fließen. Schneller Richtung Ausgang fließen. Und mir den Weg aus dem Labyrinth der Spiegel zeigen. Ich suche mir eine besonders scharf aussehende Scherbe und ziehe sie langsam über meine Haut. Der Schmerz tut so gut. Er zeigt mir, dass ich noch nicht ganz den Verstand verloren habe. Dass ich noch echt bin. Das Blut zeigt mir, dass ich noch lebe. Wieder und wieder ziehe ich die Scherbe über meinen Arm und sitze einfach nur da und beobachte mich dabei. In meinem Innern kehrt immer mehr Ruhe ein und langsam beginnen sich auch die Spiegel um mich herum aufzulösen. In meinem Kopf wird es still und ich genieße es. Meine Tränen und meine Verzweiflung versiegen. Ich habe es geschafft. Ich habe den Weg aus dem Labyrinth gefunden.

Es ist zu Ende. Ich bin erleichtert, kann es kaum fassen. Ich weiß wieder, wer ich bin. Eine angenehme Wärme umgibt mich. Ich kann wieder klar denken und erkenne, dass ich mich in meinem Badezimmer befinde. Ich sehe in den dort hängenden Spiegel und erkenne mich endlich wieder. Während ich noch erleichtert bin, dass der Albtraum zuende ist, fällt mir ein, dass ich verletzt bin und blute. Die Klinge halte ich noch in der Hand. Vielleicht brauche ich sie nochmal für irgendetwas, denke ich, wasche sie ab und verstecke sie wieder. Dann nehme ich mir etwas Klopapier und presse es auf die Wunden. Ich muss es irgendwie verbinden. Ich beseitige sorgfältig alle Spuren im Badezimmer, nehme mir noch mehr Klopapier, da das erste bereits von meinem Blut tiefrot getränkt ist. Dann gehe ich in mein Zimmer, öffne meine Schublade in der ich Verbandsmaterial habe, wische das Blut nochmal ab und lege neue Taschentücher über die Wunden. Und dann wickel ich ordentlich einen Verband darum. Er ist ziemlich dick und so müsste es erstmal gehen...

Aber schon nach kurzem bilden sich dunklere Flecken und bald ist es an ein paar Stellen durchgeblutet. Ich nehme einen weiteren Verband aus meiner Schublade und wickel ihn über den anderen. Ich weiß längst, dass ich es so nicht lassen kann und ins Krankenhaus gehen müsste um es nähen zu lassen. Die Schnitte sind zu tief als, dass ich es einfach „offen“ lassen könnte. Aber ich will nicht. Im Krankenhaus sind sie immer so unfreundlich, wenn ich komme. Sie verstehen nicht, wie sich ein Mensch selber verletzen kann. Werden wütend, weil ich ihnen so viel Arbeit mache. Weil sie andere Patienten zu behandeln haben, die sich ihre Verletzungen nicht selber beigefügt haben. Und sie haben mir ja schon die letzten Male gesagt, dass ich es endlich lassen solle. Dass sie keine Lust mehr haben mich ständig zusammen flicken zu müssen. Ich sollte mir doch endlich „vernünftige“ Hobbies suchen! Sie verstehen meine Verzweiflung und meinen Schmerz nicht und verurteilen mich für meine Handlungen!

Als sich auch auf dem zweiten Verband dunklere Flecken bilden, raffe ich all meinen Mut zusammen und ziehe mich an. Ich laufe Richtung Krankenhaus. Hoffe noch verzweifelt, dass sie nicht allzu abwertend sein werden, dass ich doch mal auf einen netten Arzt treffe, der mir nicht nur Vorwürfe macht. Dass sie die Verzweifelung dahinter erkennen und es verstehen oder, dass sie einfach nur ihren Job erledigen und die Wunden zunähen statt alles nur noch schlimmer zu machen indem sie mir zeigen, wie falsch und überflüssig ich bin. Dass man mich doch nur verachten und hassen kann bei dem, was ich tue und mir dies deutlich zeigen, damit ich mich noch schlechter fühle und bald überhaupt nicht mehr ins Krankenhaus gehe, aber wie oft hatte ich mir das bereits geschworen...?


Den gesamten Heimweg über frage ich mich, wie ich eigentlich überhaupt noch so naiv sein konnte zu glauben, dass es vielleicht doch noch freundliche Ärzte geben könnte. Als ich erschöpft zuhause ankomme, gehe ich direkt ins Bett. Schließlich ist es schon spät und ich habe morgen wieder Termine. Ich weine mich in den Schlaf und schäme mich für das, was ich wieder getan habe. Dass ich es wieder einmal nicht ausgehalten habe und eine Belastung für die Menschheit bin.


Am nächsten morgen quäle ich mich aus dem Bett. Die Nacht war definitiv zu kurz, aber ich bin ja selber Schuld! Also stehe ich auf. Ich verbinde meinen Arm neu, im Krankenhaus verbinden sie den Arm immer so dick, dass es jedem auf zehn Meter Entfernung auffallen würde, aber es sollte keiner merken. Sie würden es doch nicht verstehen und mir entweder Vorhaltungen machen oder betonen, wie traurig es sie macht mich so zu sehen. So oder so, es macht sie hilflos und überfordert sie und ich fühle mich nur noch schlechter, dass ich sie traurig mache, daher ist es am besten, wenn sie es gar nicht erst wissen.

Ich ziehe einen Pullover mit langen Ärmeln an, die nicht so dünn aufliegen, dass man es sofort sieht. Es fällt kaum auf und so kann ich raus gehen. Ich setze noch meine Maske auf, aber darin bin ich längst gut routiniert, meistens merken es nicht einmal mehr meine besten Freunde, dass es mir eigentlich beschissen geht, während wir uns unterhalten oder irgendetwas unternehmen. Oft spiele ich meine Rolle im Alltag so gut, dass ich es selber ausblende und einfach funktioniere, bis ich wieder alleine zuhause bin. Aber kaum schließe ich hinter mir die Tür...

15.6.17 15:19
 


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